Fußgänger: Wege, Querungen und unvorhersehbares Verhalten
Zu Fuß Gehende benutzen grundsätzlich Gehwege. Beim Überqueren einer Fahrbahn sollen sie den Fahrzeugverkehr beachten und die Straße zügig auf kurzem Weg quer zur Fahrtrichtung überschreiten. Je nach Verkehrslage sind vorhandene Kreuzungen, Lichtzeichenanlagen, Querungshilfen oder Fußgängerüberwege zu benutzen.
Als Fahrer darfst du daraus aber niemals ableiten, dass ein regelwidrig querender Fußgänger „selbst schuld“ sei. Deine Aufgabe bleibt, Gefahren zu vermeiden. Rechne besonders an parkenden Fahrzeugen, Haltestellen, Geschäften, Schulen und dicht bebauten Straßen mit spontanen Querungen.
Menschen mit Kinderwagen, Gepäck, Rollator oder eingeschränkter Beweglichkeit benötigen länger. Reduziere die Geschwindigkeit rechtzeitig und vermeide Druck durch dichtes Heranfahren.
Praxisbeispiel: Eine Person steht zwischen zwei geparkten Autos und blickt zur anderen Straßenseite. Auch ohne Zebrastreifen erkennst du eine mögliche Querungsabsicht und gehst vom Gas.
Merke: Blickrichtung, Körperhaltung und Umgebung liefern frühe Hinweise auf eine mögliche Querung.
Fußgängerüberweg und Fußgängerfurt unterscheiden
Ein Fußgängerüberweg, umgangssprachlich Zebrastreifen, ist durch Zeichen 293 markiert und häufig zusätzlich mit Zeichen 350 angekündigt. Dort musst du zu Fuß Gehenden sowie Personen in Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, die den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren ermöglichen. Du näherst dich mit mäßiger Geschwindigkeit und wartest, wenn nötig.
Stockt der Verkehr, darfst du nicht auf den Fußgängerüberweg fahren, wenn du dort warten müsstest. Überholen ist am Fußgängerüberweg verboten.
Eine Fußgängerfurt ist dagegen typischerweise die markierte Querungsfläche an einer Lichtzeichenanlage. Dort bestimmt vor allem die jeweilige Ampelphase den Ablauf. Die Markierung allein ist nicht mit einem Zebrastreifen gleichzusetzen.
Praxisbeispiel: Vor einem Zebrastreifen steht eine Person sichtbar querungsbereit. Du verlangsamst früh und hältst an. Bei einer ampelgeregelten Furt prüfst du zusätzlich die Lichtzeichen und abbiegenden Konfliktverkehr.
Merke: Zebrastreifen und ampelgeregelte Fußgängerfurt sind nicht dasselbe.
Kinder: jederzeit mit überraschendem Verhalten rechnen
Kinder können Geschwindigkeit, Entfernung und komplexe Verkehrssituationen noch nicht so zuverlässig einschätzen wie Erwachsene. Sie lassen sich leichter ablenken, laufen einem Ball hinterher oder treten zwischen parkenden Fahrzeugen hervor.
§ 3 StVO verlangt gegenüber Kindern eine Fahrweise, die ihre Gefährdung ausschließt. Typische Maßnahmen sind deutlich geringere Geschwindigkeit, größerer Abstand und sofortige Bremsbereitschaft.
Besonders aufmerksam bist du an Schulen, Kindergärten, Spielplätzen, Wohnstraßen, Bushaltestellen und überall dort, wo Kinder sichtbar sind. Ein rollender Ball auf der Straße ist ein starkes Warnsignal, dass ein Kind folgen könnte.
Praxisbeispiel: Zwischen geparkten Fahrzeugen siehst du die Beine eines Kindes. Du bremst bereits, bevor das Kind vollständig sichtbar ist.
Merke: Bei Kindern auf die mögliche nächste Handlung reagieren, nicht erst auf die bereits ausgeführte.
Entscheidungssituationen
Fußgänger zwischen Autos

Zwischen geparkten Autos ist eine Person zu erkennen, die zur Fahrbahn schaut.
Richtig handeln: Geschwindigkeit reduzieren und bremsbereit sein.
Begründung: Die Person könnte unmittelbar auf die Fahrbahn treten und ist teilweise verdeckt.
Zebrastreifen mit wartender Person

Eine Person steht erkennbar querungsbereit am Fußgängerüberweg.
Richtig handeln: Mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren und das Überqueren ermöglichen.
Begründung: Am Fußgängerüberweg haben querungswillige Fußgänger Schutz nach § 26 StVO.
Stau auf dem Zebrastreifen

Hinter dem Zebrastreifen stockt der Verkehr und du könntest nur auf dem Überweg stehen bleiben.
Richtig handeln: Vor dem Überweg warten.
Begründung: Bei stockendem Verkehr darf der Fußgängerüberweg nicht blockiert werden.
Ball rollt auf die Straße

Ein Ball rollt zwischen parkenden Autos auf deine Fahrbahn.
Richtig handeln: Sofort Geschwindigkeit stark reduzieren und bremsbereit sein.
Begründung: Ein Kind kann dem Ball unmittelbar folgen.