Reißverschlussverfahren: erst an der Verengung abwechselnd einordnen
Endet auf einer Straße mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung ein Fahrstreifen oder kann er nicht durchgehend befahren werden, gilt nach § 7 Abs. 4 StVO das Reißverschlussverfahren.
Die Fahrzeuge auf dem endenden beziehungsweise blockierten Fahrstreifen fahren bis unmittelbar vor den Beginn der Verengung. Dort ermöglicht der Verkehr auf dem weiterführenden Fahrstreifen das Einordnen im Wechsel: ein Fahrzeug vom durchgehenden Fahrstreifen, dann eines vom endenden Fahrstreifen.
Zu frühes Einordnen nutzt vorhandenen Straßenraum schlecht aus und kann den Rückstau verlängern. Auf der anderen Seite ist es falsch, Fahrzeuge am Ende bewusst nicht einfahren zu lassen.
Praxisbeispiel: Wegen einer Baustelle endet der rechte von zwei Fahrstreifen in 500 m. Du befindest dich rechts. Du musst nicht sofort hektisch nach links wechseln. Du nutzt den Fahrstreifen geordnet bis nahe an die Verengung und ordnest dich dort im Wechsel ein.
Das Reißverschlussverfahren gilt nicht einfach bei jedem normalen Fahrstreifenwechsel. Voraussetzung ist insbesondere, dass ein Fahrstreifen endet oder nicht durchgehend befahrbar ist.
Einfädelungsstreifen: Geschwindigkeit anpassen und sichere Lücke finden
Beim Auffahren auf eine Autobahn nutzt du den Einfädelungsstreifen, um Geschwindigkeit und Abstand an den Verkehr der durchgehenden Fahrbahn anzupassen. Auf Autobahnen hat der Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn Vorfahrt.
Auf Einfädelungsstreifen von Autobahnen und anderen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften darf nach § 7a StVO schneller gefahren werden als auf den durchgehenden Fahrstreifen. Das kann notwendig sein, um eine passende Lücke zu erreichen. Daraus entsteht aber kein Anspruch, dass andere Fahrer zwingend Platz machen.
Praxisablauf: Früh den Verkehr auf der durchgehenden Fahrbahn beobachten, zügig eine passende Geschwindigkeit aufbauen, Lücke auswählen, blinken, Seitenraum kontrollieren und ohne Gefährdung einfädeln.
Reicht die Lücke nicht, darfst du nicht einfach erzwingen, auf die Autobahn zu gelangen. Vorausschauende Beobachtung soll verhindern, dass am Ende des Beschleunigungsstreifens eine hektische Notentscheidung entsteht.
Praxisbeispiel: Auf der rechten Autobahnspur fährt ein Lkw, dahinter ist eine große Lücke. Statt sehr langsam bis zum Ende zu rollen, passt du deine Geschwindigkeit früh an und planst das Einfädeln hinter dem Lkw.
Ausfädelungsstreifen und abgehende Fahrstreifen
Beim Verlassen einer Autobahn oder einer mehrspurigen Straße ist früh zu erkennen, wann der abgehende Bereich beginnt. Rechtzeitiges Einordnen verhindert hektische Spurwechsel kurz vor der Ausfahrt.
§ 7a StVO unterscheidet zwischen abgehenden Fahrstreifen, Einfädelungs- und Ausfädelungsstreifen. Auf einem Ausfädelungsstreifen darf grundsätzlich nicht schneller gefahren werden als auf den durchgehenden Fahrstreifen. Stockt oder steht der Verkehr dort, darf auf dem Ausfädelungsstreifen nur mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht vorbeigefahren werden.
Geht dagegen ein Fahrstreifen von der durchgehenden Fahrbahn ab, gelten besondere Regeln ab Beginn der breiten Leitlinie. Die Markierung und Beschilderung zeigen dir, wie die Fahrstreifen geführt werden.
Praxisbeispiel: Deine Ausfahrt ist bereits erreicht, du befindest dich aber noch zwei Fahrstreifen links. Ein plötzliches Queren mehrerer Spuren wäre gefährlich. Verpasst du die Ausfahrt, fährst du weiter und nimmst die nächste sichere Möglichkeit.
Eine verpasste Ausfahrt ist ein Umweg – kein Notfall.
Entscheidungssituationen
Reißverschluss zu früh

Dein Fahrstreifen endet erst in 300 Metern. Viele Fahrzeuge ordnen sich schon weit vorher ein und lassen die endende Spur leer.
Richtig handeln: Bis nahe an die Verengung auf dem endenden Fahrstreifen weiterfahren und dort abwechselnd einordnen.
Begründung: Das Reißverschlussverfahren soll unmittelbar vor Beginn der Verengung stattfinden.
Reißverschluss: durchgehende Spur

Du fährst auf der durchgehenden Spur. Direkt vor der Verengung wartet ein Fahrzeug auf der endenden Spur.
Richtig handeln: Das Fahrzeug im Wechsel einordnen lassen.
Begründung: Beim Reißverschluss wird unmittelbar vor der Verengung jeweils ein Fahrzeug aus der endenden Spur nach einem Fahrzeug der durchgehenden Spur eingefädelt.