Geschwindigkeit mit Anhänger
Für Pkw mit Anhänger gilt außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Auf Autobahnen und den in § 18 StVO genannten Kraftfahrstraßen gilt ebenfalls grundsätzlich 80 km/h.
Innerorts bleibt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit grundsätzlich 50 km/h, soweit nichts anderes angeordnet ist.
Die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit ist auch hier nur die Obergrenze. Seitenwind, Nässe, Beladung oder Pendelneigung können deutlich weniger verlangen.
Merke: Pkw + Anhänger außerorts grundsätzlich 80 km/h.
Tempo 100 mit Anhänger: nur unter Voraussetzungen
Bestimmte Pkw-Anhänger-Kombinationen dürfen auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen 100 km/h fahren, wenn die Voraussetzungen der 9. Ausnahmeverordnung zur StVO erfüllt sind.
Dazu gehören unter anderem technische Bedingungen an Zugfahrzeug und Anhänger, passende Masseverhältnisse, die amtliche Bescheinigung und die gesiegelte Tempo-100-Plakette am Anhänger. Die Anhängerreifen müssen bei der jeweiligen Fahrt jünger als sechs Jahre und mindestens für die Geschwindigkeitskategorie L (120 km/h) geeignet sein.
Die Tempo-100-Regel gilt nicht automatisch auf normalen Landstraßen. Dort bleibt für Pkw mit Anhänger grundsätzlich 80 km/h maßgeblich.
Merke: 100er-Plakette = Sonderregel auf Autobahn/Kraftfahrstraße, nicht allgemeines 100-km/h-Recht.
Tempo 100: Masseverhältnis und Stabilisierung
Für die Tempo-100-Ausnahme hängt die zulässige Anhänger-zGM unter anderem von der Leermasse des Zugfahrzeugs und der Bauart des Anhängers ab.
Die Verordnung verwendet Faktoren: 0,3 für ungebremste Anhänger beziehungsweise gebremste Anhänger ohne hydraulische Schwingungsdämpfer, 0,8 für Wohnanhänger mit starren Aufbau und hydraulischen Schwingungsdämpfern sowie 1,1 für andere entsprechende Anhänger. Mit anerkannten Stabilisierungseinrichtungen können die Faktoren unter den gesetzlichen Voraussetzungen auf 1,0 beziehungsweise 1,2 steigen.
Zusätzlich gelten weitere Obergrenzen. Deshalb darf die Faktorberechnung nie allein betrachtet werden.
Merke: Tempo 100 ist ein Paket aus Masse, Technik, Reifen und Zulassung.
Fahrstreifenwahl mit Anhänger
Außerhalb geschlossener Ortschaften gelten für Fahrzeuge mit Anhänger besondere Fahrstreifenregeln. Gibt es für eine Richtung mindestens drei markierte Fahrstreifen, dürfen Kraftfahrzeuge mit Anhänger den ganz linken Fahrstreifen grundsätzlich nur benutzen, wenn sie sich dort zum Linksabbiegen einordnen.
Auf einer Autobahn gibt es kein Linksabbiegen. Für ein Gespann bedeutet das bei drei oder mehr durchgehenden Fahrstreifen praktisch: den ganz linken Fahrstreifen nicht benutzen.
Zusätzlich gilt das allgemeine Rechtsfahrgebot.
Merke: Gespann + mindestens drei Fahrstreifen außerorts → ganz links grundsätzlich tabu.
Kurven: der Anhänger schneidet innen
In Kurven folgt der Anhänger nicht exakt der Spur des Zugfahrzeugs. Seine Räder laufen auf einem engeren Radius. Je länger die Kombination und je enger die Kurve, desto deutlicher ist dieser Effekt.
Beim Rechtsabbiegen kann der Anhänger dadurch Bordstein, Radweg oder Personen im Innenbereich gefährden. Beim Linksabbiegen und in engen Einfahrten ist ebenfalls zusätzlicher Raum nötig.
Fahre langsam, beobachte die Spiegel und plane die Linie früh. Übertriebenes Ausholen darf dabei andere nicht gefährden.
Merke: Das Zugfahrzeug ist schon vorbei, während der Anhänger noch schneiden kann.
Pendelbewegungen und Seitenwind
Ein Anhänger kann bei höherer Geschwindigkeit, Seitenwind, falscher Beladung oder ungünstiger Stützlast zu pendeln beginnen. Besonders kritisch sind Windböen an Brücken, Waldschneisen oder beim Vorbeifahren an großen Lkw.
Beginnt das Gespann zu pendeln, bleibst du ruhig, vermeidest hektisches Gegenlenken und reduzierst kontrolliert die Geschwindigkeit. Beschleunigen ist keine zuverlässige Lösung für ein instabiles Gespann.
Vorbeugend helfen passende Beladung, korrekte Stützlast, technisch einwandfreie Reifen und angepasste Geschwindigkeit.
Merke: Pendeln wird durch Geschwindigkeit gefährlicher.
Nässe, Schnee und schlechte Fahrbahn mit Gespann
Mit Anhänger wirken zusätzliche Masse und mehrere Achsen auf das Fahrverhalten. Bei Nässe, Schnee oder Eis sinken die verfügbaren Haftungsreserven. Brems- und Ausweichmanöver werden schwieriger.
Reduziere früher die Geschwindigkeit und vergrößere den Abstand stärker als mit dem Solofahrzeug. Vermeide abrupte Lenk- und Bremsbewegungen.
Auch Spurrillen und Unebenheiten können den Anhänger stärker versetzen als das Zugfahrzeug.
Merke: Schlechte Bedingungen wirken auf zwei Fahrzeuge gleichzeitig.
Entscheidungssituationen
80 auf Landstraße

Pkw mit Anhänger fährt außerorts auf normaler Landstraße ohne weiteres Schild.
Richtig handeln: Höchstens 80 km/h, wenn die Situation es zulässt.
Begründung: Für Pkw mit Anhänger gilt außerorts grundsätzlich 80 km/h.
100er-Plakette auf Landstraße

Anhänger trägt Tempo-100-Plakette; normale Landstraße.
Richtig handeln: Trotzdem grundsätzlich höchstens 80 km/h.
Begründung: Tempo-100-Ausnahme gilt auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen.
Tempo 100 mit sieben Jahre alten Reifen

100er-Kombination, Anhängerreifen sind sieben Jahre alt.
Richtig handeln: Tempo-100-Voraussetzung ist nicht erfüllt; normale Geschwindigkeitsregel anwenden.
Begründung: Für Tempo 100 müssen Anhängerreifen jünger als sechs Jahre sein.
Dreispurige Autobahn

Du fährst mit Anhänger auf einer dreispurigen Autobahn und willst zum Überholen ganz links.
Richtig handeln: Nicht auf den ganz linken Fahrstreifen wechseln.
Begründung: Fahrzeuge mit Anhänger dürfen außerorts bei mindestens drei Spuren den linken Fahrstreifen grundsätzlich nur zum Linksabbiegen nutzen.
Rechtskurve mit Bordstein

Du biegst mit langem Anhänger eng rechts ab.
Richtig handeln: Langsam und mit ausreichendem Innenraum abbiegen; Spiegel beobachten.
Begründung: Anhänger schneidet die Kurve innen.
Seitenwind hinter Lkw

Beim Überholen eines Lkw mit Wohnanhänger verändert sich plötzlich der Seitenwind.
Richtig handeln: Geschwindigkeit anpassen, Lenkrad ruhig halten und Sicherheitsraum schaffen.
Begründung: Windschatten und Seitenwindwechsel können den Anhänger destabilisieren.
Anhänger beginnt zu pendeln

Der Anhänger schwingt sichtbar seitlich.
Richtig handeln: Ruhig bleiben und Geschwindigkeit kontrolliert reduzieren; keine hektischen Lenkbewegungen.
Begründung: Mehr Geschwindigkeit verstärkt die Instabilität häufig.
Nasse Gefällestrecke

Mit schwerem Anhänger beginnt eine lange nasse Gefällestrecke.
Richtig handeln: Früh Tempo reduzieren, Abstand vergrößern und Bremsanlage schonen.
Begründung: Masse, Gefälle und geringe Haftung erhöhen den Sicherheitsbedarf.
Faktor 0,3
Zugfahrzeug-Leermasse 1.600 kg, ungebremster Anhänger. Welche Anhänger-zGM ergibt der Tempo-100-Faktor 0,3 höchstens aus dieser Teilbedingung?
1.600 × 0,3
Lösung: 480 kg.
Nur eine Teilbedingung der Tempo-100-Regel; weitere Voraussetzungen gelten.
Nicht als alleinige 100-km/h-Freigabe verstehen.
Wohnanhänger Faktor 0,8
Zugfahrzeug-Leermasse 1.600 kg, Wohnanhänger mit hydraulischen Schwingungsdämpfern; Grundfaktor 0,8.
1.600 × 0,8
Lösung: 1.280 kg.
Massegrenze aus dem Faktor; weitere Bedingungen bleiben.
Stabilisierung kann unter Voraussetzungen anderen Faktor ermöglichen.
Stabilisiertes Wohnanhänger-Beispiel
Zugfahrzeug-Leermasse 1.600 kg, anerkannte Stabilisierung; Faktor 1,0 ist anwendbar.
1.600 × 1,0
Lösung: 1.600 kg.
Nur Massefaktor; weitere Obergrenzen, Reifen und amtliche Voraussetzungen prüfen.
Keine automatische 100-Freigabe.
Landstraße trotz Tempo-100-Plakette
Welche Höchstgeschwindigkeit gilt grundsätzlich auf normaler Landstraße für Pkw mit Anhänger?
StVO § 3
Lösung: 80 km/h.
Die Tempo-100-Ausnahme gilt auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen.
Situationsbedingt kann weniger erforderlich sein.